Novosibirsk – Teil II

Novosibirsk

Nach den letzten 40 km erreichen wir endlich Novosibirsk. Das Vorhandensein des Smogs ist unbeschreiblich, wenn man sowas noch nie zuvor gesehen hat. Man kann kaum 500 Meter weit gucken. Alexs geht es wieder gut, jedoch habe ich Bauchschmerzen bekommen und ahne schon, dass sich da wieder mehr anbahnt. Wir fahren durch Verkehrsstau direkt in das Stadtzentrum. Durch den Smog erhaelt alles einen grauen Schein. Es sieht nach Ostblock aus. Der Gang zur Apotheke wird  für mich obligatorisch, ich brauche Durchfalltabletten. In der Apotheke lerne ich an der Kasse Kamilla kennen. Sie fragt mich ob sie für mich übersetzen soll, wir kommen ins Gespräch und Stunden später sitzen wir in einem Kaffee und unterhalten uns. Sie zeigt uns ein paar Ecken die man in Novosibirsk gesehen haben soll. Hier ein Theater, dort ein Park und dergleichen. Ich möchte gleich hier betonen, dass wir nach Novosibirsk fuhren und niemanden kannten. Das hat sich schlagartig innerhalb zweier Tage geändert!

Wir kriegen Hunger und Kamilla traut sich nach drei Stunden des Kennenlernens uns mit zu sich nach Hause zu nehmen. Dort machen wir uns einen Obstsalat. Sie ist 21 Jahre alt, ziemlich ausgeflippt und studiert Japanisch. Wir benutzen das Internet, sie schenkt mir eine Pferdehandpuppe, weil ich mit der die ganze Zeit rumgespielt habe. Also falls man mich zukünftig mit einer Puppe auf Fotos sieht, das ist ein Geschenk. Leider fliegt Kamilla an diesem Abend noch nach Wladi Wostok. Wo wir schlafen wissen wir noch nicht. Irgendwann fragt uns Kamilla, ob wir nicht einfach in der Wohnung bleiben wollen, die Oma und Mutter kommen zwar noch dazu, wenn es uns nicht stört. Die Oma würde auch für uns Pfannkuchen machen!

Natürlich haben wir gleich freudestrahlend ‚ja‘ gesagt. Kamillas Oma ist der reinste Sonnenschein. Jede menschliche Seele sehnt sich nach so einer Großmutter. Sie ist unsere absolute Superlieblingsrusslandoma ! Sie hat uns so lecker bekocht. Dabei immer herzlich gelacht und uns auf russisch Prachtkerle genannt! Man hat richtig gemerkt, wie sie einem ins Herz geschlossen hat. Alles Gute ihr !

Wir schlafen also die Nacht bei Kamilla ohne Kamilla. Abends haben wir sie noch mit zum Flughafen begleitet. Nächsten Tag gehen wir in einen nebenan gelegenes großes Einkaufszentrum. Neben Einkauf trinken wir eine Tasse Kaffee. Im Cafe fragt Alex die beiden Mädels vom Nachbartisch ob sie uns eine Handynachricht übersetzen könnten. Und so lernen wir Nadia kennen, welche Englisch spricht. Nadia hat uns auch eine Bleibe für die nächsten Tage organisiert. Bei einem Bekannten, dem Michail. Michail musste aber einen Tag von seiner Wohnung fort, also durften wir bei Nadia und ihrer Zwillingsschwester zu Hause schlafen. Sie haben sich rührend um uns gekümmert, gekocht, wir mussten nichts machen. Hier konnte ich auch den Großteil für den Internetblog schreiben. Abends haben wir uns drei DVDs angeguckt, unter anderem Hangover auf Russisch mit englischen Untertiteln. :mrgreen: Wir haben insgesamt viel zusammen in Novosibirsk unternommen.

Gestern Abend war einer jener verrückten russischen. Wir gingen gerade zur Wohnungstür von Michail rein und wurden vom Nachbarn gefragt , ob wir Lust hätten mit ihm, seinem Kumpel und Frau mitzukommen zu einer Grillparty. Warum eigentlich nicht? Mit einem hübschen neuen BMW sind wir dort hingefahren. Ein kleines Gehöft mitten in Novosibirsk. Ca. 5 weitere Personen sind anwesend. Man nimmt uns in einer Selbstverständlichkeit auf, die für mich jedes Mal unfassbar ist. Schnell stehen auch schon Gläser vor unseren Nasen und wir müssen trinken. Whiskey.Knoblauchschnapps, Met. Irgendwann fragt man uns, ob wir uns Jagdwaffen angucken möchten. Also gingen wir in den Keller des Hauses und „spielten“ mit den vier Flinten herum. Natürlich ohne Munition!

Am nächsten Morgen liegen wir bis 11 Uhr im Bett. Ich stehe auf, schlimmes Kopfweh, werfe mir eine Aspirin und eine Omeprazol ein und kurz darauf klingelt mein Handy, unbekannte Nummer ruft an. Ich nehme ab. Eine russische Frauenstimme. Ich sage ihr dann, dass ich sie nicht verstehe und Deutscher sei. Ob ich Englisch spräche? Na Klar. Sie ist eine Reporterin. Ich bin total verblüfft und verstehe für einen Moment uüberhaupt nichts. Wie sind sie an meine Nummer gekommen, frage ich sie. Von ihrem Chef. Aha, und von woher hat ihr Chef die Nummer bekommen? Das weiß sie auch nicht. Wir verabreden uns heute 16 Uhr in der Stadt neben der Leninstatue. Vorher waren wir nochmal bei Kamillas Oma zum Essen eingeladen. Sie kann mehr und leckerer kochen als wir essen können. Mit Bauchschmerzen haben wir uns dort nach dem Mittag auf die Couch gelegt. Fertig vom vielen Essen. Wir haben uns dann schließlich verabschiedet. Ja wahrlich, eine tolle Omi 🙂 . Wir fuhren dann zum Treffpunkt Lenindenkmal.

Ich dachte die ganze Zeit es wäre eine Zeitungsjournalistin, doch als ich eine Frau mit einem einem Mikro in der Hand und einen Kameramann auf uns zulaufen sehen, muss ich erstmal lachen. Das kann doch nicht wahr sein ! Schon wieder das Fernsehen ! :mrgreen: Mittlerweile kennen wir uns ja in diesem Metier bestens ! Wir sollen ein wenig mit dem Rad hin und herfahren. Anschließend gaben wir ein kurzes Interview, was geradezu bescheiden gegenüber des Interviews aus Kazan wirkte. Immerhin. Morgenabend wird es wohl in den Novosibirsker Nachrichten ausgestrahlt. Die Reporterin war super nett, der Kameramann auch. Aber wer es war, der sie informierte, dass zwei Deutsche in Novosibirsk sind, wusste sie auch nicht.

Heute war zum ersten Mal der Himmel blau und der Smog hat sich verzogen. Morgen werden wir wohl Novosibirsk verlassen müssen. Uns gefällt es ganz gut hier, haben Freunde gefunden, sind aber zeitlich leider doch arg im Verzug.

Bis bald… .

After another 40 km we eventually arrive in Novosibirsk. The smog here is beyond words if you have
never seen anything like this before. One can hardly see more than 500 metres in the distance. Alex
is doing well but I have got stomach ache and I have already got an uneasy sense of what is on its
way. We are riding through the traffic directly into the city centre. Through the smog everything
has got a grey glow to it. This is what you imagine “the Eastern bloc” to look like. I am making my
obligatory way to the pharmacy, I need something against diarrhoea. While paying in the pharmacy
I meet Kamilla. She asks me whether I need her to translate for me and we get talking. A few hours
later we are sat in a café chatting. She shows us a couple of must-sees in Novosibirsk. A theatre
over here, a park over there and so on. I really want to stress that we went to Novosibirsk without
knowing anyone. This changed completely within only two days!

We get hungry and after having known us for three hours Kamilla is not afraid to invite us back to
her house. There we make a fruit salad. She is 21 years old, pretty crazy and studies Japanese. We
use her internet, she gives me a horse hand puppet because I had been playing with it the whole
time. In the future, if you see me on photos with this puppet, it is a gift. Unfortunately, Kamilla is
flying to Wladi Wostok the same evening. We don’t know yet where we will sleep. At some point
Kamilla asks us whether we want to simply stay in the apartment. If it is fine with us, her grandma
and mother would join us- and her grandma would even make us pancakes!

Of course we agreed to this immediately and beaming with joy. Kamilla’s grandma is a pure
sunshine. Every human soul longs for such a grandmother. She is definitely our absolutely-most-
favourite Russian grandma. She cooked really great food for us. And the whole time she was
laughing and saying what great guys we were! You could tell she had taken us into her heart. Bless!

So we spend the night at Kamilla’s without Kamilla. In the evening we took her to the airport. The
next day we go to a nearby big shopping mall. Apart from doing our shopping we go for coffee. In
the café Alex asks the girls at the table next to us whether they can translate a text for us. And this
is how we meet Nadia who speaks English. Nadia also organised a place to sleep for us for the next
days. At the house of a friend who is called Michail. Michail had to leave his flat for one day though
so we were allowed to stay at the house of Nadia and her twin sister. It was heart-warming how the
two took care of us and cooked for us, we didn’t have to do anything. It is here that I wrote most of
this blog. In the evening we watched three DVDs, amongst others “Hangover” in Russian with English
subtitles. We did a lot of things together in Novosibirsk.

Last night was one of those crazy Russian ones. When we went into Michail’s apartment one of the
neighbours asked us whether we fancied going to a barbeque with him, his friend and wife. Why
not? We went there with a nice new BMW. A small farm in the middle of Novosibirsk. About 5 other
people were there. We were welcomed as a matter of course, which is always unbelievable for me.
Soon they have put glasses in front of us and we have to drink. Whiskey, garlic schnapps, met. At
some point they ask us whether we want to give a look at the hunting weapons. So we went to the
basement of the house and “played” with shot guns. Without ammunition, of course.

The next morning we stay in bed until 11am. I get up briefly, terrible headache, I take one Aspirin
and one Omeprazol. Shortly afterwards my phone rings, an unknown number is calling. I pick up.
A Russian female voice. I tell her that I can’t understand her and that I am German. She asks me
whether I speak English. Of course I do. She is a journalist. I am flabbergasted and for some time I
don’t understand what is going on.

How did you get my number, I ask her.

From her boss.

Aha and where did your boss get my number from?

That she doesn’t know either.

We agree to meet the same day at 4pm next to the Lenin statue. Before that we were invited for
food at Kamilla’s grandma’s. She can cook much more and much better food than we can eat. With a
rumbling tummy we lay down on the couch after lunch. Too much food. Eventually we said goodbye.
Such a great granny. Then we went to the meeting point at the Lenin memorial.

The whole time I thought that we were meeting a journalist from a newspaper. When I see a woman
with a microphone and a camera man walking towards us I burst into laughing. This can’t be true!
We are on television again! By now we are experts in this. They ask us to ride our bikes fort he
camera. After this we give a short interview which was very moderate compared to the one in
Kazan. Anyway. Apparently it will be shown in the Novosibirsk news tomorrow night. The journalist
was very nice, so was the camera man. Who it was, however, who told them that two Germans are
in Novosibirsk, they didn’t know either.

Today is the first time that the sky is blue and the smog has vanished. Tomorrow we will have to
leave Novosibirsk. We like it here, we have made friends but, unfortunately, we are terribly behind
schedule.

Talk to you soon…

 
 
 

3 Kommentare zu “Novosibirsk – Teil II”

  1. Uwe
    1. August 2012 um 17:27

    Hallo Lexi und Arne,

    ich bin total begeistert von eurer Internetseite und von euren Berichten. Wer ich bin wird dir sicherlich Lexi in kurzen Worten erklären. Mit großen Interesse verfolge ich Eure Tour und verschlinge förmlich das Niedergeschriebene. Erst mal an dich Arne ein riesengroßes Lob. Du hast einen Schreibstil wie in einem Krimi. Man wartet regelrecht auf die nächste Fortsetzung. Und diesesmal mussten wir schon „sehr“ lange warten.
    Ich glaube diese Reise wird euch ein Leben lang begleiten. Es ist wirklich kaum noch zu toppen, ich wüsste im Moment nicht wodurch. Und sicherlich wird sich eure gesamte Einstellung gegenüber Menschen aus dem sogenannten „Ostblock“ völlig geändert haben. Ich kann eure Berichte sowas von nachvollziehen, weil ich viel Ähnliches in meiner über 10 jährigen „Russlandpraxis“ erlebt habe. Erschwerend für euch kommt noch hinzu, dass ihr kein russisch könnt, was mir Gott sei Dank gegeben war. Die Zeiten haben sich auch geändert. Heute trifft man doch den einen oder anderen der englisch oder deutsch kann. Es wäre mir eine große Freude euch beide nach dieser Reise mal zu treffen, um uns über Russland auszutauschen. Ihr könnt auf jeden Fall mitreden, im Gegenteil ihr bereist Gegenden, wo ich selbst noch nie war. Das Unglaubliche ist die ungeheure Gastfreundschaft, die einem in diesem Land begegnet. Gebt mal zu, hättet ihr vor eurer Reise jemals gedacht so aufgenommen zu werden. Würden wir Deutsche wildfremde Leute so aufnehmen und beköstigen?? Wohl nicht und da schließe ich mich mit ein. Es ist ein ganz anderes Volk mit einer ganz anderen Mentalität. Ich hatte mir immer wieder gewünscht, dass damals jemand meine Erlebnisse für mich aufschreibt, da ich diese Schreibqualität wie du Arne nicht habe. Ich bin auch der Meinung man müsste das was hier zu lesen ist einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen. Aber dazu bedarf es eurer ausdrücklichen Genehmigung. Ich habe zu Jürgens Geburtstag mit Petra Hoheisel gesprochen, die irgendwelche Kontakte zu Medien hat. Wenn ihr also Lust für eine Veröffentlichung habt müsstet ihr mir ein Zeichen geben. Ich würde mal schauen. Wenn nicht, auch kein Beinbruch.
    Ich habe größte Hochachtung vor eurer Leistung. Ihr fahrt fast täglich 150 Kilometer, ich würde wahrscheinlich nicht mal 20 km pro Tag schaffen.
    Ich wünsche euch beiden eine erlebnisreiche Weiterreise und der liebe Gott möge mit euch sein, dass ihr diese Reise gesund beendet.
    Eine Hilfe für dich Arne Russia schreibt sich in russisch Rossija. Du musst das u gegen ein o austauschen und das a gegen ein ja. Das sieht aus wie ein gespiegeltes großes R.

    Alles liebe Euch beiden Uwe und Sabine

  2. Uwe
    1. August 2012 um 18:40

    Noch ein kleiner Tip: Als Kind in Moskau war unser Lieblingsgetränk Kwass, ein für unsere Verhältnisse eigenartiger Geschmack. Es wird gemacht aus Schwarzbrot und wenn mann es kalt trink sehr durststillend, auch sehr narhaft, absolut alkoholfrei. Mit diesen Erinnerungen habe ich dann in irgendeinem Hinterdorf in Weißrußland nach zwanzig Jahren wieder Kwass getrunken, aus einem Fasswagen auf der Straße. Die Folge war so ähnlich wie ihr es erlebt habt. Also hütet euch vor allen Getränken, die aus irgendwelchen offenen Gefäßen kommen. Ein wichtiger Grundsatz ist, alles aus verschlossenen Flaschen zu trinken. Und wenn mal eine angebrochene Flasche für 10 Minuten unbeobachtet stehen bleibt, bitte ausgießen und eine neue öffnen. Das erspart euch eine Menge Ärger.

    Uwe

  3. Jens Will
    12. August 2012 um 19:21

    Hallo Ihr 2,
    wie sieht es aus bei Euch? Seid Ihr immer noch in Novosibirsk?
    Was ist Euer nächstes großes Ziel? Krasnoyarsk? Irkutsk?
    Schreibt mal was, sofern Ihr ans Internet ran kommt.
    Grüße – Jens & Liane